Blickt man auf die aktuelle Zahl von über 30 unabhängigen Kunsträumen in Düsseldorf entsteht schnell ein Eindruck von Unübersichtlichkeit. Um ihre Heterogenität und Komplexität greifbar zu machen, nimmt sich die Ausstellung "Unter dem Radar" vor, die Düsseldorfer Off-Szene typologisch zu ordnen.
Es wurden fünf Gruppen oder Familien gebildet, die jeweils stellvertretend für einen bestimmten funktionalen Teilaspekt des Phänomens Off stehen. Von diesem komplexitätsreduzierenden Instrument wird erwartet, eine erste strukturierte Darstellung über die Motive, Strategien und Entwicklungslinien von Off-Raum-Betreibern zu erhalten.
Diese Methode versteht sich allerdings nicht als eine definitive Norm, sondern als Annäherung an ein zwar viel diskutiertes, aber kaum erforschtes Gebiet. Dieser Diskussionsanstoß soll im Symposium am 9. Oktober fortgesetzt werden.
Die Kategorien, zu denen die einzelnen Off-Projekte zugeordnet werden, beziehen sich alle auf allgemeine Raumbezeichnungen und -metaphern. Überschneidungen und Doppelungen sind dabei möglich:
Die "Bühnen"-Räume schaffen eine grundsätzliche Sichtbarkeit für Nachwuchskünstler und einen Zugang zur Öffentlichkeit. Sie ermöglichen die (oft erstmalige) Präsentation von jungen, nicht erkannten Künstlern oder gar Kunststudenten. Aufgrund ihrer inhärenten kuratorischen Freiheit bilden sie zudem ein privilegiertes Experimentierfeld für Kunstschaffende.
In der Ausstellung: Zero an der Gladbacher Straße, Interim, Laden, MedienMafia, Paul Pozozza Museum, Ratherstraße 25.
Die "Brücken"-Räume sind die logischen Weiterentwicklungen der "Bühnen"-Räume im Sinne einer Professionalisierung: Sie sind wesentlich besser organisiert und strukturiert, treten dezidierter auf und wirken langfristiger. Dadurch bilden sie praktisch einen Link zwischen der Kunstakademie bzw. Kunsthochschule und der Galerie bzw. dem Museum.
In der Ausstellung: Ateliers Höherweg, Con-Sum, onomato, plan.d.
Diese hoch spezialisierten Räume vermitteln besondere künstlerische Ausdrucksformen oder Medien (z. B. aus den Bereichen des Verlagswesens, der Musikproduktion, der Grafik). Sie besetzen somit eine Nische, die von den restlichen Institutionen noch nicht entdeckt wurde oder kaum berücksichtigt wird. Sie sind die "Lückenfüller" einer lokalen Off-Szene.
In der Ausstellung: Acker204, Galerie Revolver, Site, Ninasagt
Die "Forum"-Räume legen weniger Wert auf die Präsentation individueller Persönlichkeiten der jungen Kunstszene als auf die Ermöglichung eines allgemeinen künstlerisch-politischen Diskurses. Sie verstehen sich als Orte eines basisdemokratischen Austausches, an denen Gesellschafts- und vor allem Institutionskritik artikuliert wird.
In der Ausstellung: Glashaus, Brause / Metzgerei Schnitzel, Stadtraum.org.
Mit dem Tresen ist eine soziale Funktion der Off-Räume gemeint, die für die Kunstschaffenden - sowie für alle Kulturproduzenten oder selbstständigen "Kreativen" - von hoher Relevanz ist: der informelle Austausch von Informationen aller Arten. Neben punktuellen Ausstellungen oder Veranstaltungen schaffen diese Räume einen regelmäßigen Versammlungsort, an dem der Informationsfluss gewährleistet wird.
In der Ausstellung: Creamcheese, WP8, wg/3zi/k/bar.
Die Ausstellung wurde von Emmanuel Mir und Florian Kuhlmann organisiert und kuratiert.
Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Exhibition Design der Fachhochschule Düsseldorf realisiert. Betreut wird der Entwurf der edi-Studenten Kira Schnieders, Julia Werner und Julia Scholzen von Prof. Stefan Korschildgen und Prof. Philipp Teufel.
Ausstellung Unter dem Radar
im Con-Sum | Ronsdorfer Straße 77a
Eröffnung: Freitag, 8.10.2010 um 19 Uhr
Öffnungszeiten
09.10. bis 13.10.2010 | von 15 bis 20 Uhr
14.10. bis 16.10.2010 | von 15 bis 23 Uhr
Zero | Interim | Laden | MedienMafia | Paul Pozozza Museum | Ratherstraße 25 | Ateliers Höherweg | Con-Sum | onomato | plan.d. | Acker204 | Galerie Revolver | Site | Glashaus | Brause/Metzgerei Schnitzel e.V.| Creamcheese | WP8 | wg/3zi/k/bar | Stadtraum.org | Ninasagt
5 Künstler die aus der Düsseldorfer Off-Szene entstammen - und nach wie vor dort wirken - kommentieren mit aktuellen Positionen das Geschehen.
Waren Müritz 2003 (2010)